Und plötzlich wird es still

Vor kurzem gab es diesen Moment. 
In einer Therapiesitzung mit einem Paar geschah etwas zwischen diesen beiden Menschen, was sich nur schwer beschreiben lässt. Ein tiefes gegenseitiges Wahrnehmen, Erahnen, Verstehen. Begegnung in hoher Dichte und so ganz ohne Worte. Ein intensiver Blickkontakt. Nicht das verliebte „Knistern“, sondern eine andere Art von positiver Spannung. 
Pure Präsenz drückt es für mich am ehesten aus. 

Hier braucht es nichts mehr. Jede Intervention kommt einer Störung gleich. 


Solche Momente – sie ereignen sich nicht oft – sind für mich „heilig“ und sehr besonders. Sie erfüllen mich mit Ehrfurcht und lassen mich die Würde eines Einzelnen und die Würde, die echte Beziehung ausmacht, begreifen.

Ich erlebe ähnliche Situationen auch in anderen Settings. Eine Klientin berichtet z.B. davon, wie sie auf einmal in sich entdeckt, was sie wirklich will. Plötzlich ist alle Unsicherheit verschwunden; die ansonsten brüchige Stimme ist ganz klar und deutlich. Mir begegnet eine Person in ihrer Stärke und Bewusstheit. Und das nach monatelangem Suchen und Ringen. 

 

Manchmal sind es auch die analogen und kreativen Zugänge, die es ermöglichen, etwas zu sehen, das bislang nicht gesehen werden konnte. Dann spricht das gemalte Bild oder die Aufstellung mit Figuren etwas, das sich bisher nicht gezeigt hat. 
Eine ganzheitliche Wahrnehmung ermöglicht Erkenntnis, die dem Verstand bis dahin verschlossen war. 

 

Solche Momente können wir nicht machen. Durch die Gestaltung des Settings und des inneren Raumes, können Menschen jedoch empfänglich werden. Das gelingt besonders da, wo ich selbst ganz präsent bin. Durch das achtsame Wahrnehmen und Anerkennen meines Gegenübers entsteht eine Atmosphäre, in der Mitgefühl, Annahme, Akzeptanz und Selbstliebe wachsen können. Im Würdigen der Person und des Prozesses entsteht der Boden, für das, was ins Leben kommen möchte. 

 

Wenn sich so etwas ereignet, werde ich still. 

Ich staune, was alles möglich ist.