Sprachfähig werden
Sprachfähig werden, ist ein großer Teil dessen, was in einem psychotherapeutischen oder beraterischen Kontext passiert. Worte und Ausdruck finden und Aspekte aus dem Inneren ans Licht bringen, um sie mit etwas Abstand betrachten, aussprechen und hören zu können. Manche Gedanken, Worte und Gefühle, die im Inneren feststecken, haben viel Gewicht und führen zu einer hohen psychischen Belastung. Daher ist die Erfahrung, diese auszusprechen und auszudrücken eine große Erleichterung. Da fallen „Steine vom Herzen“, Festes löst sich und das, was ins Stocken geraten ist, kann wieder fließen. Solch Worte zu finden, ist teils ein längerer Suchprozess, der sich lohnt. Es braucht ein tieferes Wahrnehmen, ein zartes Wagen zu differenzieren und zu erspüren, wann sich das Ausgesprochene wirklich stimmig anfühlt. Traurigkeit kann sich z.B. im längeren Nachspüren eher ohnmächtig anfühlen, ein körperliches Frieren kann die eigentliche Angst verbergen…
Eine besonders schöne Erfahrung ist es, wenn Paare sprachfähig werden. In der Paartherapie laden wir Paare ein, (neu) miteinander in den Austausch zu kommen. Manchmal reichen der Alltagstrott und die vielen familiären und beruflichen Herausforderungen aus, um die Kommunikation zum Stillstand zu bringen. Umso stärker führen Verletzungen, das Gefühl, vom anderen nicht gesehen, gehört oder verstanden zu werden und auch schwierige lebensgeschichtliche Beziehungserfahrungen dazu. Es ist ein notwendiger und gleichzeitig mutiger Schritt, wenn sich ein Mensch oder ein Paar entscheidet, das Schweigen zu brechen und das Gespräch mit sich selbst und/oder dem anderen aufzunehmen.
Der geschützte Rahmen im psychotherapeutischen oder supervisorischen Kontext ermöglicht die ehrliche Wahrnehmung von dem, was und wie es gerade ist, wie es sich im Hier und Jetzt in einem Menschen oder zwischen zwei Menschen anfühlt und ereignet. Wenn das, was ausgedrückt wird - sei es in Worten, Bildern, Emotionen und Körperempfindungen - sein darf, ohne bewertet zu werden, ist Veränderung möglich.
der leere in mir raum geben
erlauben
dass alles sein darf
gefühle willkommen heißen
spüren
wahrnehmen
wie es sich jetzt gerade
in mir anfühlt
würdigen was ist
mich nicht bewerten
das was ist
halten
mich lösen
von entweder oder
schwarz oder weiß
heilwerden am UND
leer und gefüllt
einsam und nicht allein
zerbrochen und ganz
zweifelnd und glaubend
begrenzt und geliebt
mit allem in mir
zuhause sein




